Donnerstag, 10. März 2016

KATHPRESS: Gedenken und Vergebungsbitte zur Kirchenverfolgung von 1946

(KATHPRESS) Bonn-Kiew, 10.03.2016 (KAP) Die deutschen Bischöfe haben die Glaubenstreue der Katholiken in der Ukraine gewürdigt. Die Weltkirche habe der Ukrainischen Griechisch-katholischen Kirche (UGKK) viel zu verdanken, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, am Donnerstag in Bonn. In der Zeit des Kommunismus habe die Kirche Glaubenstreue gezeigt. "Die unzähligen Inhaftierten, Gefolterten und Ermordeten sind nicht vergessen. Ihre Treue zum Evangelium ist uns Ansporn und Ermutigung", so Marx in einem Brief an den Kiewer Großerzbischof der UGKK, Swjatoslaw Schewtschuk, zum 70. Jahrestag der "Pseudo-Synode von Lemberg" und den Beginn der westukrainischen Kirchenverfolgung.

Er habe wiederholt Gelegenheit gehabt, Geschichten von Glaubenszeugnissen aus der Ukraine zu hören, schreibt Marx. "Dabei hat mich neben der existenziellen Tiefe ihres Zeugnisses auch immer wieder die Ökumene in den Lagern berührt." Er sei überzeugt, dass gerade in der gegenwärtigen schwierigen Phase der Ukraine "in der Ökumene der Märtyrer ein Hoffnungszeichen für uns alle liegt".

Während der Lemberger Pseudo-Synode am 8. und 9. März 1946 war unter massivem Druck des Sowjetregimes der Anschluss der UGKK an die russisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats beschlossen worden. Alle Bischöfe der griechisch-katholischen Kirche befanden sich zu diesem Zeitpunkt in Haft. De facto wurde die Kirche damit aufgelöst und für illegal erklärt, zudem begann damit für ihre Mitglieder eine Zeit der brutalen Verfolgung und Unterdrückung, die bis 1989 dauern sollte. Das Gedächtnis daran ist tief im Bewusstsein der Kirche und ihrer Gläubigen eingeprägt.

Initiativgruppe: Kein Zweifel über Täuschung

Auf orthodoxer Seite nahm laut der Stiftung "Pro Oriente" eine Initiativgruppe aus verschiedenen Ländern zum Jahrestag Stellung und bat die griechisch-katholischen Christen der Ukraine um Vergebung für 1946. "Wir bitten demütig um Vergebung für all das Unrecht, das die griechisch-katholischen Opfer unter dem Deckmantel der orthodoxen Kirche erleiden mussten und verneigen uns vor den Märtyrern", heißt es in einem Brief der Gruppe rund um den französischen Historiker Antoine Arjakovsky, Vizedirektor am "Institut Francais" in Kiew und einstiger Leiter des Moskauer "College Universitaire Francais" sowie Gründer des Instituts für Ökumenische Studien an der Katholischen Universität Lemberg (Lwiw).

Alle "ernsthaften Historiker und Theologen" hätten keine Zweifel, dass die Synode vom 8. bis 10. März 1946 eine "Täuschung" gewesen sei, betonte die Initiativgruppe orthodoxer Christen. Sie verwies auf Forschungen des kanadisch-ukrainischen Historikers Bohdan Bociurkiw, auf die Feststellungen von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2006 und auf die Erkenntnisse des französischen orthodoxen Theologen Nicolas Lossky verweist.

"Unierte" wichtigste Oppositionsgruppe

Demnach waren jene 216 Priester und 19 Laien, die damals vor 70 Jahren auf Anordnung des sowjetischen Volkskommissariats des Inneren (NKWD) in der Lemberger Georgskathedrale versammelt waren, ganz dem Belieben von drei zur Orthodoxie konvertierten Priestern - den zu Bischöfen beförderten Geistlichen Antonij Pelwetskyj und Myhailo Melnyk sowie des Erzpriesters Gavrylo Kostelnyk - ausgeliefert gewesen. Aus den Archivbeständen gehe hervor, dass Stalin persönlich bereits im Februar 1945 die Eliminierung der UGKK angeordnet hatte.

Wegen der Unterdrückung im Jahr 1946 sei die ukrainische griechisch-katholische Kirche mit ihren fünf Millionen Gläubigen das "hauptsächliche Opfer des Sowjetregimes, aber auch die wichtigste Oppositionsgruppe gegen dieses Regime" geworden, so die Unterzeichner, und weiter: "Wir appellieren an die heutigen orthodoxen Autoritäten in Russland und in der Ukraine und anderswo, die Ungültigkeit der tragischen Entscheidungen der Synode von Lemberg anzuerkennen."

Schuldhaftes Schweigen unter orthodoxer Beteiligung

Könne auch die russisch-orthodoxe Kirche nicht als ganze für die damaligen Entscheidungen unter Druck des NKWD verantwortlich gemacht werden, fühle man sich dennoch für das "schuldhafte Schweigen über die Zerstörung der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche durch das Sowjetregime unter Beteiligung des Moskauer Patriarchats" verantwortlich, so die Initiativgruppe. Millionen orthodoxer Christen weltweit würden die religionsfeindliche Verfolgung - im Fall der griechisch-katholischen Kirche die Folter, Deportation und Ermordnung - durch die sowjetische Regierung jedoch "entschieden verurteilen".

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