Freitag, 8. Januar 2016

Weihnachtsbotschaft des Ökumenischen Patriarchen



+   B A R T H O L O M A I O S
durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch
allem Volk der Kirche Gnade, Friede und Erbarmen
von Christus, unserem in Bethlehem geborenen Erlöser

Im Herrn geliebte Brüder und Kinder,
wiederum umhüllt die Süße der Heiligen Nacht, in der Christus geboren wurde, die Welt. Und inmitten der menschlichen Mühen und Mühsale, der Krise und der Krisen, der Leiden und der Feindschaften, der Beunruhigungen und der Enttäuschungen erscheint mit derselben Anmut wie eh und je, wirklich und aktuell wie einst das Mysterium der Menschwerdung Gottes, das uns mahnt: „Lernt Gerechtigkeit, Ihr Bewohner der Erde!“ (Isaias 26,9), denn „Heute ist uns der Heiland geboren“ (Lukas 2,11).

Unglücklicherweise aber denken in unseren Tagen viele Menschen wie jener Kindermörder Herodes, der Ruchlose und Bedenkenlose, der seine Mitmenschen auf viele Weisen ins Verderben gestürzt hat. Der von der Ich-Besessenheit verkehrte Geist des Machthabers dieser Welt, den der Mörder Herodes exemplarisch darstellt, sah paradoxerweise in der Geburt eines unschuldigen Kindes eine seine eigene Existenz bedrohende Gefahr. Als das geeignetste Mittel des präventiven Schutzes seiner weltlichen Macht vor der Gefahr, als die ihm die Geburt dieses Kindes erschien, wählte er dessen Vernichtung.
Um den mörderischen Plänen zu entgehen, war das Kind Jesus, von dem die Engel gesprochen hatten, gezwungen, wie wir in unserer heutigen Sprache sagen würden, als „politischer Flüchtling“ nach Ägypten zu fliehen. zusammen mit seiner Mutter Maria, der allheiligen Gottesgebärerin, und ihrem Bräutigam Josef.

In unserer Zeit, die doch als fortschrittlich gilt, werden viele Kinder gezwungen, das Flüchtlingsschicksal ihrer Eltern zu teilen, um ihr nacktes Überleben, das ihnen ihre unterschiedlichen Feinde missgönnen, zu retten. Diese Tatsache ist eine Schande für die Menschheit.

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