Mittwoch, 23. April 2014

Osterbotschaft 2014 des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.


„Kommt“, Brüder und Kinder im Herrn, „empfanget Licht von dem abendlosen Licht“ des Phanars, des heiligen Zentrums der Orthodoxen, und lasst uns alle zugleich und gemeinsam preisen „Christus, den von den Toten Auferstandenen“!
Finster war die seelische Befindlichkeit der Jünger des Herrn nach seiner Kreuzigung, denn durch die so erfolgte Tötung des Herrn zerstoben die Hoffnungen seiner Jünger, er werde mit ihnen zusammen eine politische Herrschaft ausüben. Sie hatten den triumphalen Einzug Jesu Christi nach der Auferweckung des Lazarus in Jerusalem erlebt und die wunderbare Speisung der fünftausend Männer, nicht mitgezählt die Frauen und die Kinder, durch fünf Brote und zwei Fische – und beides für ein Vorzeichen ihrer weltlichen Herrschaft gehalten. Die Mutter der Söhne des Zebedäus hatte sogar die Bitte geäußert, ihre Söhne sollten einer zur Rechten und einer zur Linken des Herrn thronen, wenn dieser seine Herrschaft antrete. All das hatte sich auf Grund des furchtbaren Ereignisses der Hinrichtung Jesu Christi wie ein kindlicher Traum verflüchtigt.
Doch am Morgen des ersten Tages nach dem Sabbat fanden die myrontragenden Frauen das Grab leer und erfuhren von dem Engel: Jesus ist von den Toten auferstanden. Wenig später sahen sie ihn in veränderter Gestalt, die es ihnen nicht erlaubte, ihn zu berühren. Diese unerwartete Entwicklung stürzte sie in Ungewissheit darüber, wie es mit Jesus weitergehen sollte. Gewissheit haben sie nicht sogleich erlangt. Sie wurden ermahnt, geduldig und ausdauernd zu warten, bis sie mit der Kraft aus der Höhebekleidet würden. Sie folgten dieser Weisung und warteten bis zum Pfingstfest, als der Heilige Geist herabkam und ihnen in Fülle ihre neue Sendung offenbarte. Diese bestand nicht in der Befreiung von der Versklavung durch ein anderes Volk, sondern in der Befreiung der ganzen Menschheit von der Versklavung durch den Fürsten der Bosheit und das Böse an sich. Das war eine ganz andere Sendung als diejenige, von der sie geträumt hatten.
Das unbegreifliche Gebot, die Botschaft von der Befreiung des Menschen aus der Knechtschaft des Todes weiterzugeben, erstaunte die Jünger;  sie wurde aber mit Eifer aufgegriffen, in der ganzen Welt verkündet und hat viele vom Tod errettet und rettet noch heute vom Tod. Da ist der Erstgeborene von den Toten, Jesus, der Auferstandene, der allen die Möglichkeit zur Auferstehung und zum ewigen Leben anbietet, zu einem Leben, das nicht mehr der Verwesung unterliegt, denn in der Auferstehung sind die Menschen wie die Engel Gottes im Himmel und tragen statt eines fleischlichen einen geistlichen Leib. 

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