Donnerstag, 6. Februar 2014

TSCHECHISCHE REPUBLIK: Amtseinführung des neuen orthodoxen Erzbischofs von Prag (PRO OREINTE)


Prag, 05.02.14 (poi) Der neue orthodoxe Erzbischof von Prag, Jachym (Hrdy), wurde am 1. Februar bei einem feierlichen Gottesdienst in der Cyrill-Method-Kathedrale der tschechischen Hauptstadt in sein Amt eingeführt. Erzbischof Jachym war – ebenso wie der neue Metropolit der orthodoxen Kirche in den Tschechischen Ländern und der Slowakei, Rastislav (Gont) – bei einem außerordentlichen „Sobor“ (Synodalvollversammlung) der Kirche am 11. Jänner im slowakischen Presov gewählt worden. Der nahezu 88-jährige Erzbischof von Olmütz (Olomouc), Simeon (Jakovljevic), versuchte später, den „Sobor“ – und damit auch die dort vorgenommenen Wahlen - als „unkanonisch“ in Frage zu stellen. Die orthodoxe Kirche in den Tschechischen Ländern und der Slowakei war nach dem unfreiwilligen Rücktritt des früheren Kirchenoberhaupts, Metropolit Krystof (Pulec), in Turbulenzen geraten.

Hauptzelebrant der Göttlichen Liturgie am 1. Februar war Metropolit Rastislav; Konzelebranten waren orthodoxe Bischöfe und Priester aus allen Teilen der Tschechischen Republik und der Slowakei. Eine große Delegation des Moskauer Patriarchats unter Führung von Bischof Feodosij (Wasnjew) von Tambow nahm ebenso teil wie die Botschafter von Russland, Rumänien und Bulgarien. Auch die anderen christlichen Kirchen waren vertreten, der katholische Erzbischof von Prag, Kardinal Dominik Duka, sandte eine Grußbotschaft. 

Die orthodoxe Kirche in den Tschechischen Ländern und der Slowakei möchte die ostkirchliche Tradition in diesem Raum weiterführen. Die heutige Kirche geht auf die Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zurück. Derzeit gibt es 82 orthodoxe Pfarrgemeinden in der Tschechischen Republik und 90 in der Slowakei. 

Der Architekt des Aufbaus der orthodoxen Kirche in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit war Bischof Gorazd (Pavlik). Er war ursprünglich katholischer Priester, wandte sich dann der Orthodoxie zu und wurde im September 1921 in Belgrad durch den damaligen serbischen Patriarchen Dimitri zum Bischof geweiht. Während des Zweiten Weltkriegs suchten tschechische Fallschirmspringer nach dem Attentat auf den NS-Funktionär Reinhard Heydrich Zuflucht in der Krypta der orthodoxen Cyrill-Method-Kathedrale. Die Gestapo entdeckte sie aber, in der Folge wurden Bischof Gorazd, mehrere Priester und Laienmitarbeiter am 4. September 1942 von den NS-Behörden ermordet. Die Tätigkeit der orthodoxen Kirche im ganzen „Protektorat Böhmen und Mähren“ wurde untersagt, insgesamt fielen 256 orthodoxe Priester und Laien dem Wüten der Gestapo zum Opfer. Bischof Gorazd wurde in den sechziger Jahren als Märtyrer heilig gesprochen. http://www.pro-oriente.at

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