Freitag, 17. Januar 2014

ÄGYPTEN: Reaktion der Christen auf Referendum: "Vertrauen in die Demokratie (PRO ORIENT


Sprecher der katholischen Kirche in Ägypten bezeichnet Ausgang des Referendums über die neue ägyptische Verfassung als „Stimme des Volkes“ gegen „den religiösen Extremismus und die Scharia“

Kairo, 17.01.14 (poi) Die Ägypter „haben Vertrauen in die Demokratie“: So kommentierte der Sprecher der katholischen Kirche in Ägypten, P. Rafic Greiche, das Referendum über die neue ägyptische Verfassung. Viele westliche Medien hätten das Ergebnis des Referendums als „Sieg der Militärs“ dargestellt. Tatsächlich sei die „Stimme des Volkes“ aber ein Votum „gegen den religiösen Extremismus, gegen die Scharia und gegen die von den Muslimbrüdern in Gang gesetzten Versuche zur Islamisierung der Gesellschaft“ gewesen. 

Die große Teilnahme an der Abstimmung sei eine Herausforderung an die Islamisten, so P. Greiche. Besonders beeindruckt habe ihn die massive Teilnahme der Frauen am Referendum. Die neue Verfassung sehe die Gleichberechtigung der Geschlechter vor und eröffne, wenn sie „ordentlich angewendet wird“, neue Möglichkeiten für die Frauen. 

Leider habe es auch in den Tagen des Referendums Angriffe auf die Christen gegeben, betonte der Sprecher der katholischen Kirche. Vor allem in der oberägyptischen Provinz Minya hätten Muslimbrüder versucht, die Bevölkerung einzuschüchtern. In dem Städtchen Sohag habe es die gravierendsten Zwischenfälle gegeben. Dort hätten sich vor allem jugendliche Anhänger der Muslimbrüder auf den Dächern der Hauptstraße verschanzt, um Passanten auf dem Weg zu den Wahllokalen mit Steinwürfen, aber auch Schüssen aus Feuerwaffen anzugreifen. 

P. Greiche unterstrich im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“ die gravierenden Unterschiede der neuen Verfassung zu der von den Muslimbrüdern im Jahr 2012 unterstützten Version. So gebe es in der neuen Verfassung einen Artikel, der den freien Bau von Kirchen in Ägypten vorsieht (bisher war das nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Präsidialamtes möglich). Entscheidend werde aber die Umsetzung der Verfassung in die gesetzliche Realität sein. 

"Bestätigung, was mit dem Sturz Mursis passiert ist" 

Der ägyptische Historiker Wissam A. Farag sieht im Verfassungsreferendum eine "Bestätigung dessen, was im Juli mit dem Sturz Mursis passiert ist". Zwar enthalte der neue Entwurf gegenüber der Verfassung vom Dezember 2012 nach seiner Einschätzung kaum substanzielle Neuerungen, sagte der Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität von Al-Mansura im Gespräch mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Dennoch erwarteten vor allem Christen jetzt "den Beginn einer neuen Ära der Freiheit".  Weiter auf PRO ORIENTE

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