Donnerstag, 12. September 2013

RUSSLAND/USA Patriarch Kyrill I. an Obama: „Kein Angriff auf Syrien“ (PRO ORIENT)

Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche schrieb dem US-Präsidenten persönlichen Brief – Erinnerung an die Leiden der Weltkriege des 20. Jahrhunderts – Sorge um die Christen in Syrien

Moskau-Damaskus, 11.09.13 (poi) Der Moskauer Patriarch Kyrill I. hat in einem Schreiben an Präsident Barack Obama die USA zum Verzicht auf eine militärische Aktion gegen Syrien aufgefordert. Der syrische Konflikt müsse durch Verhandlungen gelöst werden, wie es in den vergangenen Tagen von vielen religiösen Führungspersönlichkeiten angeregt worden sei. Wörtlich heißt es im Schreiben des Patriarchen: „Die russisch-orthodoxe Kirche kennt den Preis der Bedrängnis und der Verluste von Menschenleben, nachdem unser Volk im 20. Jahrhundert zwei verheerende Weltkriege überlebte, die Millionen Menschenleben forderten und das Leben vieler Menschen zerstört haben. Wir betrachten aber auch den Schmerz und den Verlust, den das amerikanische Volk durch die schrecklichen terroristischen Attentate vom 11. September 2001 erlitten hat, als unseren Schmerz“.

Am Vorabend „des Gedenkens an dieses traurige Ereignis“ bittet Kyrill I. den amerikanischen Präsidenten „auf die Stimmen der Religionsvertreter zu hören, die einstimmig jedes militärische Eingreifen in den syrischen Konflikt ablehnen“ und keine Anstrengung zu unterlassen, „damit es möglichst bald Friedensverhandlungen geben wird“. Wie das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche betont, würde ein militärisches Eingreifen der USA nicht nur der syrischen Zivilbevölkerung noch größere Leiden auferlegen, es könnte auch die Macht radikaler Kräfte stärken, die nicht die Absicht hegen, „ein friedliches interreligiöses Zusammenleben in der syrischen Gesellschaft zu fördern“. Der Patriarch äußert seine Sorge um die Christen in Syrien, „denen in diesem Fall die Gefahr der Ausrottung oder der Vertreibung drohen würde“. Deshalb, so der Patriarch, müsse man „die Gelegenheiten nutzen, die für eine diplomatische Lösung des Konflikts zur Verfügung stehen und die die Kontrolle der chemischen Waffen in Syrien durch die internationale Staatengemeinschaft mit einbeziehen“. Weiter auf PRO ORIENTE

Dienstag, 10. September 2013

kathweb Nachrichten .:. Katholische Presseagentur Österreich

Gemeinsame Erklärung des Kardinals mit Patriarchen der orthodoxen, syrisch-orthodoxen, melkitischen, chaldäischen, assyrischen und armenisch-katholischen Kirche für Frieden und Freilassung der in Syrien entführten Metropoliten Mar Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi
09.09.2013
Wien, 09.09.2013 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat sich in einer gemeinsamen Erklärung mit den Patriarchen des Nahen Ostens besorgt über die Situation der Christen und aller Menschen in der Region gezeigt. Der Kardinal und die Patriarchen fordern in der Erklärung u.a. die Freilassung der beiden am 22. April 2013 in Syrien entführten Aleppiner Metropoliten Mar Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos (Paul) Yazigi.

Die von der Stiftung "Pro Oriente" veröffentlichte Erklärung ist neben Schönborn von den Patriarchen Youhanna X. (antiochenisch-orthodox), Ignatius Zakka I. Iwas (syrisch-orthodox), Gregorios III. Laham (melkitisch griechisch-katholisch), Louis Raphael I. Sako (chaldäisch-katholisch), Mar Dinkha IV. (assyrisch) und Nerses Bedros XIX. (armenisch-katholisch) unterzeichnet. Kardinal Schönborn ist Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung "Pro Oriente".

In Syrien müsse "durch Verhandlungen unter Einbeziehung aller Konfliktparteien ein rasches Ende des Leidens des Volkes und der blutigen Auseinandersetzungen" bewirkt werden, heißt es in der Erklärung. Weiters brauche es auch die Möglichkeit der sicheren Rückkehr für die aus ihrer Heimat Vertriebenen oder Geflüchteten sicherzustellen.

Ohne direkt auf Syrien Bezug zu nehmen, verlangen die Patriarchen in der Erklärung, die Souveränität und Einheit der Staaten im Nahen Osten zu sichern "und jedwede illegale militärische Intervention von außen zurückzuweisen".

Die politische Ordnung im Nahen Osten müsse künftig so gestalten, dass die volle Respektierung der Menschenrechte garantiert ist, "und damit auch die Religions- und Meinungsfreiheit, aber auch volle Bürgerrechte und Gleichheit für alle Bewohner dieser Länder".

Die Christen im Nahen Osten seien "ein wesentliches und unverzichtbares Element der Gesellschaft", halten Schönborn und die Patriarchen fest.



kathweb Nachrichten .:. Katholische Presseagentur Österreich

KARDINAL SCHöNBORN: Gemeinsamer Aufruf mit sechs orientalischen Patriarchen für die Christen im Nahen Osten (PRO ORIENTE)

PRO ORIENTE

Gemeinsame Erklärung des Wiener Erzbischofs mit sechs orientalischen Patriarchen: „Logik des Dialogs“ statt „Logik der Gewalt“, Zurückweisung jeder „illegalen militärischen Intervention“ – Forderung nach Freilassung der beiden entführten Aleppiner Metropoliten und aller anderen Entführten in Syrien

Wien, 09.09.13 (poi) Kardinal Christoph Schönborn hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung „Pro Oriente“ am Montag, 9. September 2013, mit den Patriarchen Youhanna X. (antiochenisch-orthodox), Ignatius Zakka I. Iwas (syrisch-orthodox), Gregorios III. Laham (melkitisch griechisch-katholisch), Louis Raphael I. Sako (chaldäisch-katholisch), Mar Dinkha IV. (assyrisch), Nerses Bedros XIX. (armenisch-katholisch) eine Erklärung zur Situation der Christen im Nahen Osten veröffentlicht. Ein zentraler Punkt ist das Verlangen nach Freilassung der beiden am 22. April 2013 von „Unbekannten“ entführten Aleppiner Metropoliten Mar Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos (Paul) Yazigi.

Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:

„In tiefer Sorge um die Situation der Christen – und aller Menschen – in den Ursprungsländern des Christentums im Nahen Osten wenden wir uns an die Regierungen der Staaten, an die internationalen und regionalen Organisationen, die Weltöffentlichkeit ebenso wie an die Führungspersönlichkeiten der Religionsgemeinschaften und an die Repräsentanten der Zivilgesellschaft, damit sie alles unternehmen,

+ um die sofortige Freilassung der entführten Aleppiner Metropoliten – und darüber hinaus aller Entführten in Syrien – zu erreichen,

+ um die Logik der Gewalt zurückzuweisen und die Logik des Dialogs zu übernehmen,

+ um die Souveränität und Einheit der Staaten zu sichern und jedwede illegale militärische Intervention von außen zurückzuweisen,

+ um die Möglichkeit der Rückkehr für die aus ihrer Heimat Vertriebenen oder Geflüchteten sicherzustellen,

+ um durch Verhandlungen unter Einbeziehung aller Konfliktparteien ein rasches Ende des Leidens des Volkes und der blutigen Auseinandersetzungen in Syrien zu bewirken, die auch die Sicherheit und Stabilität der Nachbarländer in große Gefahr bringen,

+ um eine politische Ordnung im Nahen Osten zu gestalten, welche die volle Respektierung der Menschenrechte garantiert, und damit auch die Religions- und Meinungsfreiheit, aber auch volle Bürgerrechte und Gleichheit für alle Bewohner dieser Länder.

Die Christen im Nahen Osten sind ein wesentliches und unverzichtbares Element der Gesellschaft. Wir sind sicher, dass sie auch in Zukunft – in Zusammenarbeit mit den Mitbürgern aller Religionsbekenntnisse und jeglicher politischen Ausrichtung – zum Aufbau einer Gesellschaft beitragen werden, die von Friede, gegenseitigem Respekt und Achtung der Menschenrechte gekennzeichnet ist.

In diesem Sinn sind wir mit allen Christen und allen Menschen guten Willens im Gebet und im Einsatz für eine menschenwürdige Zukunft vereint“.

Die Erklärung wurde in acht Sprachen verbreitet (deutsch, englisch, französisch, spanisch, russisch, arabisch, aramäisch, türkisch).