Montag, 19. August 2013

Ukraine: Papst ruft Kirchen zur Ökumene auf (KATHWEB)


Lwiw-Vatikanstadt (KAP) Papst Franziskus hat zum 1.025. Jubiläum der Christianisierung der Kiewer Rus die Rolle des ökumenischen Dialogs betont. Die Feierlichkeiten bewiesen, dass "der Weg zur vollen Einheit unter allen Jüngern Christi kein Luxus, sondern ein tiefes Bedürfnis" sei, hieß es in einer am Sonntag in Kiew veröffentlichten Botschaft an die mit Rom verbundene griechisch-katholische Kirche der Ukraine, aus der die deutsche katholische Nachrichtenagentur KNA zitierte. Dieses Bedürfnis sei für eine konsequente und wirksame Verkündigung der Botschaft Christi notwendig.

Die "Taufe der Kiewer Rus", dem Vorläuferreich Russlands, der Ukraine und Weißrusslands, sei 988 im Rahmen der "ungeteilten Kirche" erfolgt, erklärte Franziskus. Die Erinnerung an die Christianisierung solle ein neuer Impuls für die Evangelisierung und Seelsorge sein. Die Jubiläumsfeier sollte ein "Moment der Gnade für das ganze ukrainische Volk sein und für alle Menschen, die dieses große Ereignis feiern, auch für die orthodoxen Brüder".

Die staatlichen Institutionen und die Bürger rief der Papst auf, sich den heiligen Kiewer Großfürst Wladimir (960-1015) zum Vorbild zu nehmen. Dieser hatte sich der Überlieferung nach am 28. Juli 988 taufen lassen und das Christentum zur Staatsreligion erklärt. Franziskus rief zudem dazu auf, für die Einheit aller Christen zu beten.

Die griechisch-katholische Kirche beging das Jubiläum in Kiew an diesem Wochenende. Die orthodoxen Christen hatten die "Taufe der Rus" bereits Ende Juli gefeiert.

Neue Kathedrale in Kiew geweiht

Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten weihte Großerzbischof Swjatoslav Schewtschuk, Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine, die neue Patriarchatskathedrale in Kiew. Das Gotteshaus sei ein "sichtbares Zeichen der Einheit und der Integrität unserer Kirche", sagte der Großerzbischof von Kiew-Halitsch. Die abseits des Kiewer Zentrums am linken Ufer des Dnepr gelegene "Patriarchalkathedrale der Auferstehung Christi" fasst 1.500 Menschen. Sie löst als Hauptkirche der mit griechisch-katholischen Christen die Sankt-Georgs-Kathedrale im westukrainischen Lwiw (Lemberg) ab. Finanziert wurde die Kirche vor allem durch den symbolischen Verkauf von Tausenden Bausteinen an Spender.

Schewtschuk sagte bei dem Festgottesdienst, die Kirche in der Ukraine feiere an diesem Tag "ihre Wiedergeburt nach der grausamen Vernichtung" in den vergangenen Jahrhunderten. Mehr als 20.000 Menschen aus dem ganzen Land und der Diaspora im Ausland nahmen laut Kirchenangaben an den Feierlichkeiten teil. Die Zeremonie wurde auf einem Großbildschirm vor der Kathedrale übertrugen. Als päpstlicher Sondergesandter nahm der litauische Kardinal Audrys Juozas Backis teil.

2005 hatte die Kirche ihren Hauptsitz aus ihrer Hochburg Lwiw in die Hauptstadt Kiew verlegt. Dagegen protestierte die orthodoxe Kirche massiv. Mittlerweile haben sich die Beziehungen beider Kirchen deutlich verbessert. Allerdings lehnen die Orthodoxen den Aufbau griechisch-katholischer Kirchenstrukturen im Osten der Ukraine weiterhin ab. Die Weihe der neuen Hauptkirche in Kiew ist auch deshalb für beide Seiten von großer Symbolik.

Das damalige griechisch-katholische Kirchenoberhaupt, Kardinal Lubomyr Husar (80), hatte im Oktober 2002 den Grundstein für den Umzug der Diözese und für die Kathedrale gelegt. Die griechisch-katholische Kirche der Ukraine ist mit rund sieben Millionen Mitgliedern die größte katholische Ostkirche. Etwa 1,5 Millionen von ihnen leben im Ausland. In der mehrheitlich orthodoxen Ukraine ist etwa jeder zehnte Einwohner griechisch-katholisch. Die Gottesdienste feiern die ukrainischen Unierten im sogenannten byzantinischen, ostkirchlichen Ritus.


kathweb Nachrichten .:. Katholische Presseagentur Österreich

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