Montag, 12. August 2013

SYRIEN: Vatikan und Italien verstärken Bemühungen um Freilassung des entführten Jesuitenpaters Paolo Dall'Oglio (PRO ORIENTE)



Bisher ist es aber offensichtlich nicht gelungen, „direkte Kontakte“ zu den Entführern aufzubauen

Damaskus-Rom, 12.08.13 (poi) Die Bemühungen um die Freilassung des in Syrien entführten italienischen Jesuitenpaters Paolo Dall’Oglio warden von italienischer und vatikanischer Seite verstärkt fortgesetzt. In den letzten Tagen ist die Version aufgetaucht, bei den Verhandlungen des Jesuiten mit Funktionären des sogenannten „Islamischen Kalifats des Iraks und des Mashreq“ in der von Rebellen kontrollierten Provinzhauptstadt Rakka sei es um die Freilassung der beiden seit 22. April entführten Aleppiner Metropoliten Mar Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi gegangen. Die Spuren des Jesuiten haben sich am 28./29. Juli in Rakka verloren.

Der Apostolische Nuntius in Syrien, Erzbischof Mario Zenari, äußerte am vergangenen Mittwoch, 7. August, seine Hoffnung, dass Pater Dall’Oglio gesund wieder auftauchen werde. Wenige Tage zuvor hatte der Präfekt der vatikanischen Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, in einer Erklärung dem General des Jesuitenordens und allen Mitgliedern der Gesellschaft Jesu seine „Nähe im Gebet“ wegen der Entführung von Pater Dall’Oglio versichert. „Zusammen mit allen christlichen Kirchen der Region“ erinnerte Kardinal Sandri in seiner Erklärung an das „absolute Schweigen“ über das Schicksal der beiden entführten Aleppiner Metropoliten und zweier bereits im Februar gekidnappter Priester aus Aleppo sowie an die Situation „aller Entführungsopfer in Syrien“.

Am Montag, 5. August, betonte der Provinzial der nahöstlichen Jesuitenprovinz, P. Victor Assouad, dass es sich als unmöglich erwiesen habe, mit Pater Dall’Oglio oder seinen Entführern einen Kontakt herzustellen. Zugleich äußerte P. Assouad Sorge über das Schicksal des Jesuitenpaters Frans van der Lugt, eines niederländischen Staatsbürgers, der mit einer Kommunität von Jesuiten in Bustan Diwan, einem Viertel in der Altstadt von Homs, lebt. Die Gesellschaft Jesu erneuere ihre Solidarität mit den leidenden Menschen in Syrien und werde die humanitäre Aktion zu Gunsten der Opfer der Auseinandersetzungen fortführen, stellte P. Assouad fest. Zugleich erneuere der Orden seine Entschlossenheit, für den Frieden und die Versöhnung in Syrien zu arbeiten.

Die italienische Außenministerin Emma Bonino äußerte sich am 9. August in ähnlichem Sinn wie P. Assouad. In einem Radiointerview sagte sie wörtlich: „Im Hinblick auf Pater Dall’Oglio tappen wir im Dunkeln“. Bei den verschiedenen Gerüchten über den Verbleib von Pater Dall’Oglio handle es sich zumeist um Versuche, die Spuren zu verwischen und Verwirrung zu stiften. Auch Botschafter Gianpiero Massolo, der Direktor des Koordinationsorgans der italienischen Geheimdienste, wurde mit der Aussage zitiert, dass die Versuche der Dienste, „direkte Kontakte“ mit den Entführern des Jesuiten aufzubauen, keinerlei Ergebnis erbracht hätten.

Die syrische Opposition hatte bereits wenige Tage nach dem Verschwinden des italienischen Jesuiten seine sofortige Freilassung gefordert. Die Nationale Syrische Koalition appellierte am Samstag, 3. August, von Istanbul aus an alle, die an dem Verschwinden von Pater Dall´Oglio beteiligt waren, sich umgehend zu melden und ihn freizulassen. In dem Appell wurde daran erinnert, dass Dall'Oglio seit 30 Jahren in Syrien tätig sei und im vergangenen Jahr wegen seiner regimekritischen Haltung von der Regierung in Damaskus ausgewiesen wurde. Der Jesuit sei ein “weiser Mann des Friedens und des Mitleidens“, der wesentlich zum interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen beigetragen und viele Verbindungen mit Menschen in allen Teilen Syriens geschaffen habe. PRO OREINTE

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