Donnerstag, 16. Mai 2013

Vichnaja Pam'jat! Ewiges Gedächtnis: Trauer um Ostkirchenexperten P. Irenäus Totzke (PRO ORIENTE)


Der Niederaltaicher Mönch gehörte jahrzehntelang zum Konsultorenkreis der Stiftung „Pro Oriente“

München, 15.05.13 (poi) Der Ostkirchen-fachmann Archimandrit Irenäus Totzke OSB, Mönch der Abtei Niederaltaich, ist am Dienstagabend plötzlich und unerwartet im 81. Lebensjahr gestorben. Totzke hatte Jahrzehnte hindurch auch als Konsultor der Stiftung „Pro Oriente“ gewirkt. Am 21. Mai wird um 9 Uhr in der Nikolauskirche der Abtei Niederaltaich die Göttliche Liturgie im byzantinischen Ritus gefeiert, anschließend erfolgt die Beisetzung der sterblichen Hülle des Archimandriten auf dem Klosterfriedhof. Niederaltaich hat eine besondere Tradition des Dialogs mit der Orthodoxie. Als Pius XI. im Jahr 1924 die Benediktiner aufforderte, sich der Begegnung mit der Orthodoxie zu widmen, folgten nur drei Klöster dieser Aufforderung: Niederaltaich, die belgische Abtei Chevetogne und die US-amerikanische Abtei St. Procopius in L’Isle bei Chicago. Diese Klöster leben gemäß dem päpstlichen Wunsch in zwei Gruppen (Dekanien), von denen die eine dem lateinischen, die andere dem byzantinischen Ritus folgt. 

Irenäus Wolfgang Totzke, 1932 in Danzig (heute: Gdansk) geboren, lebte für den ökumenischen Dialog mit der Orthodoxie. Er legte am 2. November 1958 seine monastische Profess in Niederaltaich ab, am 1. Oktober 1960 wurde er in Rom zum Priester geweiht, am 13. Mai 1988 erhielt er die Archimandriten-benediktion. 

Der Niederaltaicher Mönch war ein aufmerksamer, aber auch kritischer Teilnehmer und Beobachter des ökumenischen Dialogs mit der Orthodoxie. So meinte er etwa in einem 2002 erschienenen „Zenit“-Interview: „:Es ist eben leider so, dass nicht nur in der orthodoxen, sondern auch in der römischen Kirche das ökumenische Bewusstsein sich nur langsam Raum verschafft hat. Und so kam es, dass nach ‚Öffnung der Grenzen’ 1990 die entsprechenden vatikanischen Stellen sich nicht von ökumenischen, sondern von kirchenpolitischen Ideen leiten ließen. Anstatt den Gedanken des Ökumenismus-Dekrets des Zweiten Vaticanums zu folgen, wonach orthodoxe und römisch-katholische Kirche ‚Schwesterkirchen’ und demzufolge zu gegenseitiger Hilfestellung aufgerufen sind, folgten die vatikanischen Behörden den Gedanken des Dekrets über die Religionsfreiheit und forderten freie Religionsausübung für die – zuvor unterdrückten – lateinischen und die – zuvor verfolgten – unierten Katholiken“. In Bezug auf die Wiederzulassung der „Unierten“ hätten beide Seiten, Moskau und Rom, „höchst einseitige“ Vorstellungen gehabt: „Rom wünschte für die Verfolgten die Freiheit zu erreichen, Moskau wünschte das theologische Problem des ‚Uniatismus’ zu lösen“. Beide Seiten seien wenig bereit gewesen, in dem doppelseitigen Problem die jeweils andere Seite zu hören. 

In dem Interview verwies der Archimandrit aber auch auf positive Entwicklungen: Es gebe Austausch von Professoren und Studenten, Orthodoxe und Katholiken pilgerten zu Wallfahrtsorten der jeweils anderen Kirche, katholische Studienzentren wie Niederaltaich, Chevetogne oder das piemontesische Bose seien ebenso wie die Orthodoxie Akademie von Kreta, die Akademie St. Serge in Paris oder das orthodoxe Kloster Valamo in Finnland Brennpunkte des interkonfessionellen Geschehens. Totzke: „Von diesen und anderen ähnlichen Zentren gehen bewusstseinsbildende Impulse auf die jeweiligen Kirchen aus, sodass auch auf oberster katholischer und orthodoxer Ebene das einmal zu erwarten ist, was im Augenblick noch weithin fehlt: die tatsächliche Akzeptanz der jeweils anderen Kirche als ‚Schwesterkirche’“.  http://www.pro-oriente.at/?site=ne20130515151536

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