Donnerstag, 9. Mai 2013

VATIKAN/ÄGYPTEN: Koptischer Patriarch Tawadros II. trifft mit Papst Franziskus zusammen

Rom ist Ziel der ersten Auslandsreise des neuen Patriarchen – Besuch erfolgt 40 Jahre nach der Unterzeichnung einer christologischen Konsens-Erklärung im Vatikan, die auf die bei einer „Pro Oriente“-Tagung entwickelte „Wiener Christologische Formel“ zurückgeht

Vatikanstadt-Kairo, 09.05.13 (poi) Der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. trifft am Donnerstag zu einem viertägigen Besuch in Rom ein. Es ist der erste Auslandsbesuch von Tawadros (Theodor) II. seit seiner Wahl zum Patriarchen. Am Freitag trifft der koptische Patriarch mit Papst Franziskus zusammen. Es wird auch ein gemeinsames Gebet geben. Nach vatikanischen Angaben wird Tawadros II. auch mit Kardinal Kurt Koch, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, und anderen führenden Kurienfunktionären konferieren. Der Patriarch wird auch die Gräber der Apostel Petrus und Paulus besuchen und mit den Angehörigen der in Rom beheimateten koptischen Gemeinde zusammentreffen. Im vatikanischen Kommunique wurde hervorgehoben, dass es seit der Wahl von Tawadros II. zu einer „zunehmenden Annäherung“ zwischen den christlichen Gemeinschaften in Ägypten gekommen sei, die auch zur Gründung eines „Rates der christlichen Kirchen“ geführt habe. Der Besuch von Tawadros II. erfolge in einer für die christlichen Gemeinden im Nahen Osten „sehr diffizilen Situation“, betonte der Vatikan. Die koptisch-orthodoxe Kirche mit ihren Millionen von Gläubigen sei eine der „wichtigsten Realitäten“ in der kirchlichen Landschaft des Nahen Ostens, die derzeit mit „großen Schwierigkeiten“ zu kämpfen habe. 

Die Romreise des koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen erfolgt genau 40 Jahre, nachdem sein Vorgänger Schenuda III. mit Paul VI. im Mai 1973 im Vatikan eine christologische Konsens-Erklärung unterzeichnet hatte, die den Weg für den offiziellen ökumenischen Dialog zwischen römisch-katholischer und koptisch-orthodoxer Kirche freimachte. Grundlage dieser Konsens-Erklärung war die „Wiener Christologische Formel“, die 1971 bei der ersten von der Stiftung „Pro Oriente“ veranstalteten inoffiziellen Konsultation zwischen römisch-katholischen und koptisch-orthodoxen Theologen entwickelt worden war. Der wenig später zum Patriarchen gewählte koptische Bischof Schenuda plädierte damals in Wien im Hinblick auf die 1.500 Jahre währenden Auseinandersetzungen um die Christologie dafür, alte Texte der koptischen Liturgie als Zeugnisse des Glaubens seiner Kirche zu lesen. Das erwies sich als Ausweg aus einer seit dem Konzil von Chalcedon als kirchentrennend beurteilten Glaubensdifferenz. Es entstand die „Wiener Christologische Formel“ als „Destillat eines koptischen Eucharistiegebets“, in der katholische wie orientalisch-orthodoxe Kirchenvertreter ihren Christus-Glauben als übereinstimmend erkennen konnten. Mit der Konsens-Erklärung von 1973 wurden dann die gegenseitigen Verurteilungen als Häretiker beendet. Man erkannte auf beiden Seiten, dass die Kirchentrennung nicht durch die Christologie, sondern durch unterschiedliche Sprachregelungen hervorgerufen worden war. Es handelte sich letzten Endes um kulturell bedingte Unterschiede, die aber die Substanz des gemeinsamen Glaubens nicht berührten. PRO ORIENTE

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen