Dienstag, 4. Dezember 2012

PRO ORIENTE: Service | News-Archiv | Arabischer Frühling: ARABISCHER FRüHLING-- Vatikandiplomat skeptisch über bisherige Ergebnisse

Erzbischof Tomasi: „In Ägypten wird die Jugend um ihre Hoffnung betrogen“

Genf-Kairo-Damaskus, 04.12.12 (poi) Der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei der UNO in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, hat im Gespräch mit „Radio Vatikan“ kritisch zu den bisherigen Ergebnissen des „Arabischen Frühlings“ in Ägypten und Syrien Stellung genommen. Im Hinblick auf Ägypten sagte Tomasi: „Die große Hoffnung, die der so genannte ‚Arabische Frühling’ geweckt hat, erscheint in diesem Moment sehr zweifelhaft. Einige versuchen, die Gesellschaft in den Ländern des Nahen Ostens bei der Entwicklung in Richtung ‚mehr Offenheit und Toleranz’ zu unterstützen. Dabei soll die historische Identität dieser Länder erhalten bleiben und diese Entwicklung soll keinem ‚übergestülpt’ werden. Leider sieht die aktuelle Entwicklung eher so aus, als wolle man sich dem verschließen. Um es einmal drastisch auszudrücken: Das ist quasi ein ‚Betrug’. Die jungen Leute werden um ihre Hoffnungen betrogen, die sie bei den vielen Demonstrationen ausdrückten. Wenn in Ägypten die Sharia als Gesetz eingeführt wird, dann geschieht das entgegen der Hoffnung der koptischen Christen, die zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen. Betrogen würde so auch die Hoffnung all der Menschen muslimischen Glaubens, die sich eine offenere und tolerantere Gesellschaft wünschen“.

In Syrien fehle der politische Wille, sich voll und ganz für den Frieden einzusetzen, unterstrich Tomasi. Daran seien sowohl die Regierung Assad als auch die Opposition schuld. Derzeit verfolge die internationale Staatengemeinschaft vor allem, was zwischen Israel und den Palästinensern geschehe. Deshalb sei die Aufmerksamkeit gegenüber Syrien „dramatisch gesunken“ und dies sei sehr gefährlich, so der Erzbischof. Denn ohne internationalen Druck werde es niemals zu konkreten Resultaten kommen. PRO ORIENTE

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