Donnerstag, 20. Dezember 2012

PRO ORIENTE: Prof. Prokschi: Russisches Landeskonzil von 1917 inspirierte auch das Zweite Vaticanum


Ostkirchenexperte (und „Pro Oriente“-Vizepräsident) analysierte vor katholischen Akademikern Impulse aus der russisch-orthodoxen Kirche

Wien, 19.12.12 (poi) Auf den Einfluss der Ideen des Reformkonzils der russisch-orthodoxen Kirche im Jahr 1917 auf das Zweite Vatikanische Konzil wies der Wiener Ordinarius für Patrologie und Ostkirchenkunde (und „Pro Oriente“-Vizepräsident) Prof. Rudolf Prokschi vor dem „Forum Zeit und Glaube“ des Katholischen Akademikerverbands der Erzdiözese Wien hin. Nach der bolschewistischen Revolution konnten viele der vom russisch-orthodoxen Landeskonzil beschlossenen Reformen nicht mehr verwirklicht werden, aber die Ideen wurden von emigrierten orthodoxen Theologen nach Westeuropa getragen, wo insbesondere das Institut Saint-Serge in Paris eine besondere Rolle spielte. Katholische Theologen wie Henri de Lubac wurden von diesen Ideen inspiriert; ihre Werke prägten das Denken vieler Bischöfe, die am Zweiten Vatikanischen Konzil teilnahmen. Angesichts dieser wenig bewussten Zusammenhänge müsse man sich hüten, die russische Orthodoxie als „rückständig“ abzuqualifizieren, so Prof. Prokschi. 

Der Wiener Ostkirchenfachmann – der jahrelang in Moskau auch als Seelsorger tätig war – skizzierte vor den katholischen Akademikern die geschichtlichen Voraussetzungen des Landeskonzils von 1917. Die russische Kirche hatte 1589 die Erhebung Moskaus zum Patriarchat erreicht, nach dem Tod von Patriarch Adrian im Jahr 1700 verhinderte Peter der Große aber die Neuwahl eines Patriarchen. Oberste Leitungsinstanz der russisch-orthodoxen Kirche war von da an der Heilige Synod mit dem „Oberprokuror“ als Repräsentant des Zaren an der Spitze. Seit der Revolution von 1905 gab es in der russisch-orthodoxen Kirche eine starke Bewegung für ein Reformkonzil, um die drängenden pastoralen Fragen zu beraten und neue Wege aufzuzeigen. Die russisch-orthodoxe Kirche präsentierte sich damals nach außen überaus eindrucksvoll: 160 Bischöfe, 50.000 Pfarrgeistliche, 100.000 Mönche und Nonnen in mehr als 1.000 Klöstern. Zugleich war aber nicht zu übersehen, dass sich ein großer Teil der „Intelligentsia“ von der Kirche und vom Christentum überhaupt abgewandt hatte. 


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