Mittwoch, 5. Dezember 2012

PRO ORIENTE: Ein Konzil 1.000 Jahre nach der Kirchenspaltung?


In Deutschland lebender orthodoxer Theologe Anastasios Kallis spricht auf Einladung von „Pro Oriente“ und des Forums „Zeit und Glaube“ am 6. Dezember in Wien


Wien, 04.12.12 (poi) Unter dem Titel „Jerusalem-Konzil 2054? Wie der katholisch-orthodoxe Dialog wirklich weitergebracht werden kann“ spricht der in Deutschland lebende orthodoxe Theologe em. Prof. Anastasios Kallis am Donnerstag, 6. Dezember, um 18.30 Uhr, auf Einladung der Stiftung „Pro Oriente“ und des Forums „Zeit und Glaube“ im Stephanisaal des Curhauses (1010 Wien, Stephansplatz 3) . Die Stiftung „Pro Oriente“ wird 2014 ihr 50-jähriges Bestehen feiern. In Vorbereitung auf diesen Anlass will sie der ökumenischen Bewegung neue Impulse geben und hat daher den ökumenischen „Vordenker“ Anastasios Kallis eingeladen. Er hat vor kurzem das Buch „Das Jerusalemer Konzil von 2054. Eine Vision der Kirchengemeinschaft“ veröffentlicht. Darin beschreibt er nicht nur die Vision eines wahrlich ökumenischen Konzils 1.000 Jahre nach den wechselseitigen Exkommunikationen von 1054, sondern blickt zugleich kritisch und hoffnungsvoll in die Zukunft des ökumenischen Dialogs. Er weist auf Fehlschläge und Misserfolge im ökumenischen Dialog hin, fragt aber auch nach Einheitsmodellen und präsentiert Methoden, die den katholisch-orthodoxen Dialog wirklich weiterbringen sollen. In seinem Buch stellt Kallis u.a. fest: „Mir scheint, dass wir nach einer Gemeinschaft streben, die nie existiert hat und weder erstrebenswert noch realisierbar ist. Die sogenannte Einheit der ungeteilten Kirche bestand in einer Gemeinschaft von Ortskirchen, die durch das komplementäre Verständnis ihrer Vielfalt möglich war…Die Einheit lässt sich ohne die Vielfalt nicht verwirklichen. Die Vielfalt sichert die Gemeinschaft der Kirche, die in der Uniformität ihre Katholizität und Ökumenizität verliert“. In seinem Buch dokumentiert Kallis u.a. auch die sonst schwer zugänglichen, ins Deutsche übersetzten Texte der Exkommunikationen von 1054 sowie deren Tilgung aus der Mitte der Kirche am 7. Dezember 1965 durch Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras mit seiner Synode: Diese Texte ermöglichen es auch dem theologischen Laien, sich ein Bild von den Vorgängen zu machen. Der orthodoxe Theologe nimmt Bezug auf das letzte gemeinsame Konzil der Ost- und Westkirche, das 879/80 den Frieden zwischen den Kirchen wiederherstellte und daher im Kontext seiner Vision eines „Konzils von Jerusalem“ als das vorausgegangene, letzte (8.) ökumenische Konzil angesehen und dokumentiert wird.

Anastasios Kallis, geboren 1934 im griechischen Naoussa, studierte an der Universität Thessaloniki Theologie, Philosophie, Pädagogik und Geschichte. Nach dem Diplom in Theologie setzte er 1960 als Stipendiat der Diözese Münster sein Studium an der Westfälischen Wilhelms-Universität fort. 1964 wurde Kallis in Philosophie promoviert und arbeitete als wissenschaftlicher Assistent am damals neu gegründeten Katholisch-Ökumenischen Institut, Abteilung Ostkirchen, der Westfälischen Wilhelms-Universität. Nachdem er 1974 auch in Theologie promoviert wurde, habilitierte er sich 1978 als erster nicht-katholischer Theologe an einer Katholisch-Theologischen Fakultät in Deutschland. Von 1979 bis zu seiner Emeritierung 1999 hatte er die damals neu errichtete Professur für Orthodoxe Theologie in Münster inne. Weiter auf PRO ORIENTE

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