Sonntag, 18. November 2012

UGKK: „Dialog und Entwicklung der ökumenischen Beziehungen mit der ukrainischen Orthodoxie sind eine pastorale Notwendigkeit“, – Seine Seligkeit Sviatoslav (Shevchuk)

Wenn man die Multikulturalität und die Vielfalt der Religionen in der heutigen Ukraine in betrachtet, so ist der ökumenische Dialog eine prioritäre Aufgabe für die UGKK, ihre wichtigste Sendung. Weil die meisten Traditionschristen der Ukraine ihre traditionelle Zugehörigkeit zur Orthodoxie bekennen, sind der Dialog und die Entwicklung der ökumenischen Beziehungen mit der ukrainischen Orthodoxie eine pastorale Notwendigkeit.
 
Diese Gedanken äußerte S. S. Sviatoslav, das Oberhaupt der UGKK, in seinem Vortrag vor den Teilnehmern der Plenarsitzung des Päpstlichen Rates für die christliche Einheit. Wie wir bereits berichtet hatten, findet vom 12. - 16. November 2012 im Vatikan eine Plenarsitzung dieses Rates statt. Das zu erörternde Thema lautet: „Die Wichtigkeit des Ökumenismus für die Neuevangelisierung“. Diese Frage ist eng verbunden mit der 13. Generalversammlung der Bischofssynode zum Thema „Neuevangelisierung für die Glaubensüberlieferung“, berichtet „Radio Vatikan“.
 
„Die Hauptschwierigkeit beim Aufbau eines fruchtbaren Dialogs mit der orthodoxen Welt in der Ukraine stellt die schmerzhafte Teilung in der ukrainischen Orthodoxie selbst dar. Tatsächlich haben wir heutzutage drei orthodoxe Gemeinschaften in unserem Land. Andauernd gibt es unter ihnen unversöhnliche Streitigkeiten über die Ekklesiologie: jede von diesen Kirchen verweigert den anderen beiden das Existenzrecht. Nur die Ukrainische Orthodoxe Kirche (des Moskauer Patriarchats, MP) wird von der orthodoxen Welt als „kanonische Kirche“ betrachtet. Diese verfügt über eine gewisse eigene Autonomie, obwohl sie zum Moskauer Patriarchat gehört“, – berichtete der Vorsteher der UGKK.
 
Ferner führte S. S. Sviatoslav Statistiken an, welche darauf hinwiesen, dass die Ukrainische Orthodoxe Kirche (des Moskauer Patriarchats) die größte Anzahl von Pfarreien vorweisen kann, während die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats, gemessen an der Anzahl der Gläubigen, die erstere übertrifft, weil 31% der ukrainischen Bevölkerung ihre Zugehörigkeit zu ihr bekunden.
 
Danach ging er auf das Problem der Überpolitisierung der ukrainischen Orthodoxie und der Einmischung der politischen Kräfte ins religiöse Leben ein, und zwar mit dem Ziel, die Kirche zwecks der Verwirklichung ihrer Pläne zu instrumentalisieren. Diese Tatsache sei die Ursache vieler Leiden für die Kirchen selbst und der Schwierigkeiten auf dem Wege zur Einheit aller Christen der ukrainischen Gesellschaft.
 
„Das Phänomen der Spaltung der ukrainischen Orthodoxie ist das größte Hindernis für den ökumenischen Dialog, aber man muss zugeben – die Erfahrung des GRKrO weist darauf hin, dass die ukrainischen Kirchen gelernt haben, zusammenzuarbeiten und die Schwierigkeiten auf eine brüderliche und friedliche Weise zu lösen“, – betonte der Redner. Unter anderem unterstrich er den aktuellen, spürbaren Fortschritt in den Beziehungen der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche mit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (MP).
 
Als Fortsetzung seines Berichts  stellte das Oberhaupt der UGKK andere Schwierigkeiten auf dem Weg des ökumenischen Dialogs und der Verständigung dar, insbesondere die Beschuldigung seitens der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (MP), die griechisch-katholischen Ukrainer hätten in den 90-er Jahren ungefähr 500 „orthodoxe Gotteshäuser“ diesen weggenommen. Wie wir jedoch wissen, wurden diese Kirchen als griechisch-katholisch bzw. römisch-katholisch erbaut, und waren erst in der Sowjetzeit Eigentum der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (MP) geworden.
 
Um neue Wege zu einer Versöhnung zwischen den Kirchen zu planen, gegenüber welcher die UGKK immer offen war, soll man, seiner Meinung nach, zuerst die ganze Wahrheit beleuchten. „Wir sind überzeugt, dass wir Wege finden können, um die Wunden der Vergangenheit zu heilen, indem wir vergeben und um Vergebung bitten… Wir sind überzeugt, dass der Versöhnungsweg zwischen der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche und der Russischen Orthodoxen Kirche auf der Grundlage der historischen und pastoralen Realität eine wirksame Weise der Wiederherstellung des Dialogs und die Schaffung eines neuen Modells der ökumenischen Beziehungen sind“, – betonte das Oberhaupt der UGKK.
 
Zum Beginn seiner Rede veranschaulichte S. S. Sviatoslav die sozial-politische Lage in der Ukraine und die Rolle der UGKK bei der Entwicklung der Zivilgesellschaft. Er hob hervor, dass die Ukraine ein europäisches Land mit uralten, christlichen Wurzeln und eine verhältnismäßig junge Demokratie sei. Die Erneuerung der postsowjetischen Gesellschaft, die Zeit der Religionsfreiheit, die ersten Erfolge und Niederlagen der jungen Demokratie – all das sind die Ursachen, welche die Materie und die Grundlage der Herausforderungen für die Neuevangelisierung in der Ukraine darstellen.
 
Das Oberhaupt der Kirche unterstrich, dass die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche, den anderen traditionellen Kirchen gleich, eine große Achtung in der Gesellschaft genieße. Gerade das mache es möglich, von den christlichen und allgemeinmenschlichen Werten Zeugnis abzulegen, d. h. eine sehr wichtige Mission in der Gesellschaft zu erfüllen. Am Beispiel des GRKrO wies er auf die Offenheit der Kirchen für den ökumenischen Dialog und für die Zusammenarbeit bei der Förderung des nationalen und gesellschaftlichen Dialogs hin.
 
Information vom „Radio Vatikan“
 
Der Päpstliche Rat für die christliche Einheit wurde 1960 noch als Sekretariat für die Förderung der Einheit zwischen den Christen gegründet. Heute ist diese vatikanische Einrichtung ein ständiges Organ der Römischen Kurie mit zweifacher Aufgabe: die Verbreitung eines echten ökumenischen Geistes in der Katholischen Kirche, gemäß dem Dekret „Unitatis redintegratio“ des II. Vatikanischen Konzils, und die Entwicklung des Dialogs und der Zusammenarbeit mit den anderen christlichen Kirchen. Seit 2010 steht Kardinal Kurt Koch an seiner Spitze.
 
Papst Benedikt XVI. ernannte am 12. Juni 2012 das Oberhaupt der UGKK, S. S. Sviatoslav, als Mitglied dieses Rates. Der Vorsteher der UGKK ist daher nach Rom gekommen, um an der an der Plenarsitzung  des Rates zum ersten Mal teilzunehmen. UGKK

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