Montag, 19. November 2012

(Pro Oriente) Keine „Christenverfolgung“, aber Christen sind in Angst und Schrecken

Beunruhigende Nachrichten von der syrisch-türkischen Grenze und aus Aleppo – „Jihadisten“ aus dem Ausland nehmen zunehmend Christen aufs Korn

Damaskus, 16.11.12 (poi) Auch wenn es in Syrien keine „Christenverfolgung“ im eigentlichen Sinn gibt, sind die Christen in Angst und Schrecken. Der syrisch-orthodoxe Metropolit der Djazira, Erzbischof Mar Eustathios Matta Roham, sagte jetzt im Interview mit der Nachrichtenagentur „Zenit“, die Menschen an der syrisch-türkischen Grenze befürchteten, dass es zu „einem echten Krieg zwischen Syrien und der Türkei“ kommen könnte. Die Leute hätten Angst um ihre Frauen, ihre Kinder und ihre Besitztümer. Viele seien entschlossen, nach Europa oder in die als „sicher“ betrachteten Nachbarländer zu emigrieren. Mar Eustathios: „Wir leben in Unsicherheit, man weiß nicht, was morgen geschieht“.

Der syrisch-orthodoxe Metropolit beschrieb die Situation von zwei Städten in seiner Eparchie: Ras al-Ayn and Derbasieh. In Ras al-Ayn hätten die Kämpfe am 8. November begonnen, jetzt sei die Stadt von der „Free Syrian Army“ okkupiert. Es sei jetzt sehr gefährlich, ins Stadtzentrum zu gehen. Er sei in Sorge um das Schicksal der christlichen Gemeinschaft und ihrer Kirchen, er habe die Situation der Christen in Homs und Der-ez-Zor vor Augen. In Derbasieh seien die meisten christlichen Bewohner am 9. November geflüchtet, weil sie „nicht ins Kreuzfeuer“ geraten wollten, betonte Mar Eustathios unter Berufung auf den syrisch-orthodoxen Pfarrer der St. Osyo-Kirche, Michael Yacoub. Die Menschen in Derbasieh seien „eingeladen“ worden, ihre Heimstätten zu verlassen, als die Oppositionsstreitkräfte die Stadt besetzen wollten. Es habe ein Abkommen zwischen der kurdischen Gemeinschaft und den Regierungsvertretern gegeben, die sich bereit erklärt hätten, die Stadt kampflos zu verlassen. Dadurch sei „das Leben vieler Zivilisten“ bewahrt worden.

In Ras al-Ayn seien alle 500 einheimischen Christen von islamistischen Rebellen – unter ihnen viele Teilnehmer des „jihadistischen Wanderzirkus“ von Afghanistan über Tschetschenien, Bosnien, Kosovo , Irak und Libyen bis Syrien - vertrieben worden. Die Terrorgruppen hätten die Christen mit ihren Priestern ausdrücklich aufgefordert: „Verschwindet von hier“. Es bestehe die Gefahr, dass Christen gegen hohe Lösegeldforderungen entführt und sogar ermordet werden: „Die syrisch-orthodoxe Kirche in Ras al-Ayn wurde geplündert, alle Messgewänder und liturgischen Bücher wurden vernichtet. Das Kirchengebäude selbst wurde geschont, da es offensichtlich zu einer Moschee umgewandelt werden soll“. Weiter auf PRO ORIENTE

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