Montag, 19. November 2012

PRO ORIENTE: Gedenken an Opfer des "Holodomor"

Kiew-Wien, 18.11.12 (poi) In der Ukraine wird am 24. November der Millionen Opfer des „Holodomor“, der vom kommunistischen Regime in den dreißiger Jahren ausgelösten Hungersnot, gedacht. Der Koordinator des Gedächtnis-Komitees, der Historiker Wolodymyr Wiatrowitsch, erklärte im Gespräch mit dem ukrainischen „Religious Information Service“, dass es bei den diesjährigen Gedenkfeiern auch darum gehen werde, sich jener Ukrainer zu erinnern, die ihre Mitmenschen in den Jahren 1932/33 vor dem Hungertod bewahrten. Das Gedenken an den „Holodomor“ sei ohne die „Kenntnis wenigstens einiger der Namen dieser Gerechten“ unvollständig, betonte Wiatrowitsch. In den nächsten Tagen werden überall in der Ukraine an Schulen und Universitäten Gedenkveranstaltungen stattfinden, um die Jugend mit der Geschichte des „Holodomor“ vertraut zu machen. Die Hungerkatastrophe war in der Ukraine – ebenso wie in Russland und in der Kasachischen Republik – durch die Maßnahmen Stalins gegen die „Kulaken“ – die selbständigen Bauern, die nicht in die Kolchosen und Sowchosen eintreten wollten – ausgelöst worden.

In aller Welt wird um den 24. November von den Ukrainern der Opfer des „Holodomor“ gedacht werden. So wird etwa in Tokio in Anwesenheit des ukrainischen Botschafters Mykola Kulinitsch in der anglikanischen St. Alban’s Church eine „Panichida“, ein orthodoxes Totengedenken, stattfinden, für das die japanische Mission des (von der Weltorthodoxie nicht anerkannten) Kiewer Patriarchats verantwortlich ist.

Für Österreich ist das „Holodomor“-Gedenken von besonderer Bedeutung. Denn es war der damalige Wiener Erzbischof, Kardinal Theodor Innitzer, der eine internationale und interkonfessionelle Hilfsaktion für die Hungeropfer in der Sowjetunion ins Leben rief. Am 20. August 1933 veröffentlichte Innitzer einen eindringlichen Appell, „auf übernationaler und interkonfessioneller Grundlage ein allgemeines Hilfswerk für die in Russland vom Hungertode bedrohten Menschen in die Wege zu leiten“. Unter dem Titel „Kardinal Innitzer ruft die Welt gegen den Hungertod in Russland auf“ wurde der Appell in aller Welt verbreitet. Der Wiener Erzbischof stützte sich in seinem Appell auf Augenzeugenberichte, die u.a. der damalige griechisch-katholische Metropolit von Lemberg (Lwow/Lwiw), Andreas Scheptytzkyj, gesammelt hatte. Lemberg gehörte damals zu Polen, aber der Metropolit hatte gute Verbindungen über die Grenze in die Sowjetukraine. Weiter auf PRO ORIENTE

AUCH: Mehr zum Thema "HOLODOMOR" auf RISU (Religious Infromation Service Ukraine) auf englisch: http://risu.org.ua/en/index/topics/theme_of_the_month/november2012

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