Donnerstag, 15. November 2012

ORF: Metropolit von Aleppo: „Das ist kein Bürgerkrieg.“

Der syrisch-orthodoxe Metropolit von Aleppo, Mar Gregorios Johanna Ibrahim, sieht in dem Konflikt in seiner Heimat einen Kampf zwischen Gruppen, hinter denen auch ausländische Interessen stehen.
„Das ist kein Bürgerkrieg“, sagte er im Gespräch mit Journalisten in Wien. In dem „schmutzigen Krieg innerhalb von Syrien“ werde es „auf beiden Seiten nur Verlierer“ geben, sagte Mar Gregorios, der zugleich vor einer ethnischen oder religiösen Spaltung Syriens warnte und sich trotz allen Leides gegen einen gezielten Exodus der Christen aus ihrer historischen Heimat aussprach. Der Erzbischof wandte sich jedoch gegen jede Intervention des Auslands.
Der syrisch-orthodoxe Metropolit von Aleppo, Mar Gregorios Yohanna Ibrahim
Kathbild/Franz Josef Rupprecht
Der syrisch-orthodoxe Metropolit von Aleppo, 
Mar Gregorios
„Aleppo ist heute eine tote Stadt“, schilderte der Metropolit die „traurige“ Lage in der nordsyrischen Metropole. Ein Drittel der Stadt sei bereits zerstört, auf beiden Seiten seien Kämpfer „bereit, einander zu töten“. In diese Kämpfe gerieten die Christen, die sich weiter mehrheitlich herauszuhalten versuchten. „Ein Viertel bis ein Drittel der Christen hat inzwischen Aleppo verlassen“, so der Metropolit.
In der Stadt Homs seien bereits alle Christen weg. Kirchen und Moscheen Aleppos seien geschlossen. Das Schuljahr konnte nicht beginnen, da Flüchtlinge aus zerstörten Stadtteilen auf dem Uni-Gelände und in Schulen lagern. Anfangs seien laut Gregorios einfache syrische Bürger Ziele von Übergriffen geworden, jetzt würden Christen oft aus Bussen und Autos herausgeholt und gegen hohes Lösegeld (bis zu 60.000 Euro) gekidnappt.

Feuerpause und humanitäre Hilfe nötig

Der orthodoxe Kirchenführer sieht drei Bedingungen, die erfüllt werden müssten, um für Syrien und seine Bewohner eine Perspektive zu eröffnen. Feuerpause, humanitäre Hilfe und Verhandlungen. Feuerpause und humanitäre Hilfe seien die Voraussetzung für Verhandlungen zwischen den rivalisierenden Gruppen. Zur Opposition sagte der Metropolit, in der neu gebildeten Koalition fänden sich auch einige Christen: „Das ist gut so.“ Wenn es dieser Koalition gelingen sollte, Stabilität zu schaffen, wäre das gut für die Zukunft Syriens. Weiter auf ORF

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