Donnerstag, 25. Oktober 2012

Interview mit Liubomyr Kardinal Husar, emeritierter Großerzbischof-Patriarch von Kyiv-Halych, UGKK

Seine Seligkeit Liubomyr: Menschen, die sich vor Verleumdung fürchten, haben kein Gefühl der eigenen Würde

 

Meines Erachtens ist ein Treffen mit Seiner Seligkeit Liubomyr Huzar ein wichtiges Ereignis für jeden Menschen. Wenn man neben diesem Menschen sitzt, fühlt man sich inspiriert, leicht und gleichzeitig aufgeregt. Man regt sich auf, weil man versteht, dass dir gegenüber ein Mensch sitzt, der eine Legende ist, welche von Yosyp Slipyi selbst geweiht wurde. Er war einer von 16 Kandidaten für das Papstamt nach dem Tod von Johannes Paul II. Dein Gegenüber ist eine moralische Autorität nicht nur für die Ukraine, sondern für die ganze westliche Welt.

Seine Seligkeit sprach in einem Exklusivinterview für RegioNews über die Wichtigkeit von Festen, erzählte über die Rückkehr der UGKK in die Zentral- und Ostukraine und kommentierte den vor kurzem bekanntgeworden Entwurf eines Verleumdungsgesetzes.
 
Eure Seligkeit, es ist bereits Ende September, aber es scheint so, als ob gerade erst der Sommer zu Ende gegangen wäre. Im Sommer feiern die Ukrainer besonders viele staatliche und religiöse Feste. Oft kann man die Klagen darüber hören, dass unser Volk zu viel feiert, aber zu wenig arbeitet. Sind Sie mit dieser Behauptung einverstanden? Welche Feiertage sollte man, Ihrer Meinung nach, nicht begehen?
 
Warum gibt es bei uns so viele Feiertage? Das hat einen Ursprung in unserer Geschichte, und zwar in der Leibeigenschaft. Die Großgrundbesitzer verlangten von den Menschen, dass diese sehr viel schwere Arbeit auf den Feldern leisteten. Aber sie waren doch soweit Christen, als sie an kirchlichen Feiertagen diesen Menschen die Gelegenheit für Erholung gaben, damit sie nicht arbeiten. Die Kirche reagierte darauf und vermehrte ihre Festtage, d. h. sie vermehrte die Pflicht zu feiern. Deshalb haben wir sehr viele derartige Festtage, z. B. den Demetrius- oder den Michaelstag. Jedes Fest und jeder Heilige sind wichtig, aber für sich sind sie für die Darstellung von Glaubenswahrheiten nicht wesentlich. Das ist eine rein historische Sache.
 
Ich erinnere mich an meine Studentenzeit. Damals las ich eine Anekdote aus den 30-er Jahren. Ein Arbeiter kommt zu seinem Vorgesetzten, um über einen arbeitsfreien Tag im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Religionsfeiertag zu verhandeln. Der Vorgesetzte aber begutachtet die Unterlagen dieses Arbeiters und sagt ihm: „Du hast Familienbeziehungen sowohl mit den griechisch- und römisch-katholischen Christen, als auch und mit den Juden. Ich habe zusammengezählt, wie viele Tage du feierst. Eigentlich frage ich mich, ob du überhaupt arbeitest?“ Diese Anekdote hatte eine gewisse Grundlage in der Realität.
 
De facto haben wir heutzutage sehr viele kirchliche, staatliche und berufliche Feiertage. Es gibt ja eine lange Liste, die jährlich erscheint. Aber meiner Meinung nach, gibt es dabei viel überflüssiges Feiern. Meines Erachtens, sollte man sich sehr grundsätzlich und weise überlegen, damit man nur das feiert, was man wirklich feiern soll. Zuerst sollte man gewisse Grundsätze aufstellen, was und warum wir feiern, erst dann soll man eine entsprechende Liste von Feiertagen erstellen. Wenn wir tatsächlich einen wirtschaftlichen Nutzen haben wollen, dann müssen wir eben arbeiten.
 
Wir haben im Laufe mehrerer Monate versucht, Ihren Nachfolger – Seine Seligkeit Sviatoslav, zu uns für eine Web-Konferenz einzuladen, aber er ist ständig unterwegs, z. B. auf Wallfahrten. Wir haben den Eindruck, dass S. S. Sviatoslav aktiv arbeitet. Sind Sie mit seiner Arbeit zufrieden? Oder raten Sie ihm, wohin er reisen und was er tun soll?
 
Ich empfehle ihm nichts, ich sage ihm nichts, aber ich bin immer bereit, seine Fragen zu beantworten. Ich bin froh darüber, dass er so arbeitet, weil er jung und voller Energie ist. Aber es ist mein Eindruck, und das habe ich ihm auch in einem Gespräch gesagt, dass man auch die Gesundheit schonen sollte.
 
S. S. Sviatoslav arbeitet hingebungsvoll, er ist fleißig und er widmet besonders viel Zeit den Gläubigen außerhalb der Ukraine, was sehr gut ist. Aber man sollte die Gesundheit schonen, man soll jenes Gleichgewicht aufrechterhalten, um möglichst lange und möglichst viele Jahre lang arbeiten zu können.
 
Es sind bereits 7 Jahre vergangen, seitdem Sie die Residenz des Oberhaupts der UGKK von Lemberg nach Kiew verlegt hatten. Was hat das der Griechisch-Katholischen Kirche eingebracht?
 
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