Freitag, 19. Oktober 2012

Das JESUSGEBET  von V. Andreas


Κύριε Ἰησοῦ Χριστέ, Υἱὲ τοῦ Θεοῦ, ἐλέησόν με τὸν ἁμαρτωλόν.
Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner.

Wie ein roter Faden zieht sich der Ruf „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner!“ durch die Zeit der Christenheit, besonders der Ostkirchen. Schon in den Evangelien finden wir zwei Berichte (Mt 9, 27-31; 20, 29-34), wo Jesus Blinde heilt, beides mal erklingt der Ruf: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir/uns! Und Jesus machte sie wieder „sehend“…
Zur Zeit der Wüstenväter haben wir dann die ersten direkten Zeugnisse dieses Gebetes. So zum Beispiel bei dem großen Makarios des Ägypters und anderen, deren Zeugnisse in der Philokalie zusammengefasst sind. Es waren oft Mönche die in der Einsamkeit der Wüste sich diesem Gebet hingaben. Auch viele Kirchenväter waren mit diesem Gebet vertraut. Die „Hesychasten“, die Schweigenden, wurden zu Trägern einer bedeutenden Spiritualität, welche das Kirchenleben des christlichen Ostens stark beeinflusste. Aber erst durch ein kleines Buch „Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers“ wurde dieses Gebet in weiteren Kreisen bekannt, und gewinnt auch im christlichen Westen heute ganz neues Interesse.



In dem Jesusgebet wird der Name Jesu immer wieder wiederholt „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner!“ Dies geschieht, damit unsere Aufmerksamkeit immer mehr auf Christus gelenkt wird. Unsere Gedanken (griech.: logismoi) werden gebändigt, bzw. in Christus verankert. Erst wird dieses Gebet mit den Lippen gesprochen, es beginnt im mentalen Bereich, um sich dann einen Weg zum Herzen zu bahnen. Vom Kopf zum Herz geht der wohl längste Weg unseres Lebens. Das Jesusgebet hilft uns dabei unsere „Mitte“ zu finden, d.h. die Gegenwart Gottes in uns zu berühren, den wahren Frieden und die Freude des Herzens zu erlangen.
Ein anderer Aspekt des Jesusgebetes ist die Heilung. So wie Jesus die Blinden geheilt hat, heilt Er auch heute unsere Wunden und Krankheiten. Indem unser ganzes Wesen durch das Anrufen des Namens Jesu‘ auf Christus ausgerichtet ist, kann der Sohn Gottes sich unser erbarmen, d.h. uns berühren und heilen. „Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen...“ (Phil 1, 9).
In unserer heutigen Zeit brauchen wir eine feste Verankerung in Christus, um in einer verwirrten Welt ein wirklich Christus-bezogenes Leben zu führen. Immer wieder werden wir abgelenkt, unsere Gedanken schweifen von Gott ab, wir „verlieren“ uns oft im Lärm der Welt. Dabei sind wir für Gott geschaffen, unser Herz findet erst wieder Ruhe, wenn wir in Ihm ruhen. Dieser innere Friede erfüllt uns immer mehr, wenn wir den Namen Jesu‘ in allem und überall in uns tragen!
„Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner“!

Gemeinsames JESUSGBET in der Markuskirche, Salzburg jeden 2. und 4. Dienstag im Monat:
http://www.ukrainische-kirche.at/?Byzantinisches_Gebetszentrum:Jesusgebet

Anmerkung: Auch wenn das Jesusgebet vorwiegend ein persönliches Gebet ist, dass man in Begleitung mit einem in diesem Gebet erfahrenen „Meister“ erlernt, gibt es unseren heutigen Umständen entsprechende neue Zugänge. Einen davon versuchen wir im Byzantinischen Gebetszentrum in Salzburg anzubieten. Jeden 2. Und 4. Dienstag im Monat findet bei uns um 19.30 Uhr eine gemeinsame Gebetsstunde statt, in der wir in einer kleinen Gruppe gemeinsam dieses Gebet singend beten. Für viele ist dies ein Zugang auch zum persönlichen Gebrauch geworden, wo immer wieder und in allen Situationen des Alltags der Name Jesu‘ in unseren Herzen erklingt. 


V. Andreas Bonenberger
Byzantinisches Gebetszentrum

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